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Essstörungen

Das menschliche Essverhalten ist im Gefüge von biologischer Notwendigkeit, der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, sozio-kulturellen Bedingungen und der persönlichen Geschichte des Individuums zu sehen. Die Ernährung ist eine lebenswichtige, weitgehend automatisierte Funktion, die durch Erfahrungen und Lernen entstanden ist und dem Menschen nur teilweise bewusst ist. Essen und Trinken haben eine kommunikative Funktion und erfolgen meist zusammen mit anderen Menschen.

Der Akt des Essens hat eine hohe emotionale Bedeutung und ist meist mit lustvoller Befriedigung und Sättigung - „die anständige Lust“ - verbunden. Im Essakt können infolge der vielfältigen individuellen Erlebensmuster völlig unterschiedliche Gefühle (meist unbewusst) zum Ausdruck kommen: Aggressivität, Liebe („zum Fressen gern“), Abgrenzung („ausspucken“).

Die Vielfalt menschlicher Ernährungsgewohnheiten in Kulturen unterstreicht den Einfluss soziokultureller Bedingungen auf das Essen. So gibt es Kulturen, in denen Essen Vorbedingung für Zuwendung ist oder auch als Genuss angesehen wird, es kann aber auch mit Lustgier oder Ekel verbunden werden.

In den westlichen Kulturen ist in den letzten Jahrhunderten das Essverhalten zunehmend normiert, verfeinert und rationalisiert worden. Essen als sinnliches Erlebnis tritt hinter der Notwendigkeit des schnellen Essens (Fast food) zurück. Gleichzeitig besteht ein Überangebot an Nahrung mit der sozialen Forderung nach Schlankheit. Während in vielen Kulturen Körperfülle als Zeichen von Wohlstand und Macht gilt, hat sich in den westlichen Kulturen im 20. Jahrhundert die Schlankheit, gerade des weiblichen Körpers, zu einem zentralen Thema in den Massenmedien entwickelt. Die an Frauen (und mittlerweile auch an Männer) herangetragenen Erwartungen führen zu erheblichen Störungen des Essverhaltens.

 
Im Bereich der Essstörungen sind drei Krankheitsbilder von Bedeutung:

Essstörungen sind Störungen der Nahrungsaufnahme und der Einstellung zur Nahrung. Sie sind begründet durch psychosoziale Konflikte, die in ungünstigen persönlichen und sozio-kulturellen Bedingungen wurzeln.

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